Hauswirtschaft und Gartenbau 




Gartenbau- und Hauswirtschaftsunterricht

Im Übergang zur Mittelstufe, in der 6. und 7. Klasse, erhalten die Schüler der Johannesschule im wöchentlichen Rhythmus Gartenbau- und Hauswirtschaftsunterricht. Während der Wintermonate wird in der Zeit des Gartenbauunterrichts spezifischer Handwerksunterricht gegeben. Mit der Arbeit im Gartengelände und den grundlegenden Zubereitungstechniken in der Küche liegt in beiden Fächern der Schwerpunkt im praktischen Tun. Die Schüler, zumeist deutlich bestimmt vom Einsetzen ihres seelisch-körperlichen Reifeprozesses, erfahren mit der Tätigkeit in diesen Fächern einen unmittelbaren Bezug zu den Wachstumsprozessen der Natur. Sie gewinnen Einblicke in das Zusammenwirken der Naturkräfte, erleben den Verlauf der Jahreszeiten, erfahren konkret etwas über die Herkunft und den Anbau unserer Nahrungsmittel und lernen, selbst Mitwirkende in dem Naturgeschehen zu sein. In beiden Fächern ist ein reichhaltiges Spektrum an Sinneserfahrungen zu erleben. Durch das In-Beziehung-Setzen von Gartenbau und Hauswirtschaft gewinnt der Begriff „Saison“ unmittelbare Bedeutung.
Der Tätigkeitsbereich im Fach Gartenbau umfasst gängige gärtnerische Aufgaben wie das Sieben von Komposterde, Errichten von Pflanzenbeeten, die allgemeinen Pflege- und Aufzuchtarbeiten im Garten, das Mähen von Gras, das Umgraben der Gartenerde. Der Ernte von Gemüse und Früchten kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, weil der Erfolg gärtnerischen Wirkens für den Schüler zum beglückenden Seelenerlebnis werden kann. Die Herstellung eines Komposts, das Pikieren von Keimlingen oder der Obstbaumschnitt gehören zu den anspruchsvolleren Aufgaben des Gartenbaus.
Im Hauswirtschaftsunterricht wird vornehmlich gekocht. Die Schüler, in kleine Arbeitsgruppen aufgeteilt, bereiten in der Regel ein dreigängiges Menü zu, welches zur Mittagszeit gemeinsam mit der gesamten Klasse eingenommen wird. Die Erzeugnisse des Schulgartens decken nur einen geringen Teil der verwendeten Lebensmittel ab. Überwiegend werden die Waren für die Hauswirtschaft aus dem nahe gelegenen Bioladen bezogen. Die Schüler erlernen während des Kochunterrichts allgemeine Grundtechniken der Speisezubereitung. Sie werden dadurch mit einem organisatorischen Küchenablauf vertraut gemacht. Die Küchendienste wie das Ein- und Abdecken der Esstische werden als ebenso wichtig vermittelt wie das Einhalten der Hygienestandards oder die Teamfähigkeit in den jeweiligen Arbeitsgruppen. Die zubereiteten Speisen sind zum überwiegenden Teil vegetarische Vollwertgerichte. Es können aber auch Lieblingsspeisen der Schüler sein, die in geringem Maße Fleisch-, Geflügel- und Fischgerichte nicht ausschließen. Die wichtigste Übung für einen Schüler besteht darin, anhand eines Rezeptes sich eigenständig am Arbeitsplatz zu organisieren und innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens eine in unserem Kulturbereich anerkannte, bekömmliche Speise zuzubereiten.
Sowohl im Gartenbau- als auch im Hauswirtschaftsunterricht lernen die Schüler sich praktisch selbständig zu betätigen. Das eigene bewusste Tun ist gleichzeitig Inhalt als auch Reflexion im Prozess einer Willenserziehung. Daraus erwächst für den Schüler die Möglichkeit, in einer Zeit seelischer Instabilität Selbstvertrauen zu gewinnen und sich Handlungskompetenz anzueignen. Reichhaltige Erlebnisse und Erfahrungen mit Wirklichkeitscharakter werden den Schülern geboten. Sie kommen durch das vielfältige eigenständige Handeln innerhalb der beiden Fächer in Beziehung zum lebendigen Wirken der Natur. Der junge Mensch wächst so Schritt für Schritt hinein in ein Kulturgeschehen von Gartenbaukunst und Ernährungsgestaltung, das schon Jahrhunderte währt. Zusätzlich eignet er sich, ein durch praktische Tätigkeit gewonnenes Gefühl für Verantwortung an und verbindet es mit eingeübter Sozialkompetenz, um sich dem Anspruch der kulturellen Errungenschaften stellen zu können. Die eigene Arbeit als wichtig und notwendig zu erleben, kann dazu führen, diese lebensnotwendigen Tätigkeiten, wie sie in den beiden Fächern vorliegen, zu achten, als unumgänglich zu respektieren und sich der Bedingungen unserer menschlichen Existenz bewusst zu werden.
Der Gartenbau und die Hauswirtschaft sind als Grundstock für das spätere Waldpflege- und Landwirtschaftspraktikum anzusehen.

Olaf Avianus, Gartenbau- und Hauswirtschaftslehrer.



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