Mittelstufe 
Die Mittelstufe - Klasse 7 bis 9-





Wer sich in der Mitte eines Weges befindet, hat schon viel erlebt und hat zugleich noch einiges vor sich. Auf einer Wanderung würde man jetzt womöglich inne halten, rasten und auf die durchmessene Wegstrecke zurückblicken; das Ziel zugleich neu ins Auge fassend.

Das Erreichen der Mittelstufe markiert einen solchen Wendepunkt im Schulleben. Der Eintritt ins Jugendalter bedeutet, die Kindheit hinter sich zu lassen ohne das Erwachsensein schon erreicht zu haben. Oft schillernde und aufregende Zukunftserwartungen gehen einher mit einer wehmütigen Gestimmtheit der Seele angesichts der verblassenden Kinderwelt, in der man sich bisher aufhielt, so weit man sich überhaupt erinnern kann.

Die Heranwachsenden wollen in diesem Alter mehr Orientierung als Führung. Das selbstverständliche Mitgehen der von Lehrern und Eltern vorgezeichneten Wege findet ein allmähliches, oft auch abruptes Ende. Die Bereitschaft, einen Vorschlag der Erwachsenen aufzugreifen hängt jetzt maßgeblich davon ab, ob er einleuchtend begründet wird. Unbegründete Vorschläge werden abgelehnt, auch wenn sie gut sind. Oder man folgt ihnen zähneknirschend, was aber für alle Beteiligten unersprießlich ist.

Jugendliche wollen sich bewähren, wollen etwas bewirken, wollen mitten durch statt außen rum. Dabei begegnen sie drei Hindernissen. Erstens ihrem Mangel an Erfahrung. Zweitens der Diskrepanz zwischen dem, was ihnen als leuchtendes Ideal ihres Selbstentwurfes vor Augen steht und den Widersprüchen, in die sie sich noch so leicht verstricken. Drittens oft genug dem Unverständnis einer Erwachsenenwelt, die sich ihnen entweder anbiedert oder sie zurückweist, also nicht ernst nimmt.

Das Kollegium der Johannes Schule hat in mehreren Klausurtagungen versucht, die aus den genannten Voraussetzungen erwachsenden Anforderungen an Schule herauszuarbeiten und in konkrete Unterrichtsgestaltung umzusetzen. Das dabei bis heute entstandene „Mittelstufenmodell“ soll im Folgenden vorgestellt werden.

Nach der 6. Klasse geht die Verantwortung für die Klasse von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer über auf ein Mittelstufenteam, das die weiteren Geschicke der Klasse lenkt und leitet. An die Stelle des Klassenlehrers tritt ein Klassenbetreuer als Ansprechpartner der Kinder und auch der Eltern. Die Kontinuität in der Klassenführung, bisher maßgeblich in der Hand der Klassenlehrer, wird jetzt von einem Team geleistet, das sich in wöchentlichen Sitzungen regelmäßig austauscht und abstimmt (Mittelstufenkonferenz).

Methodisch liegt in der Mittelstufe der Fokus auf dem Erlernen von selbst organisiertem Lernen und Arbeiten.

7. Klasse

Ein thematischer Schwerpunkt dieser Klassenstufe sind die Entdeckungen und Erfindungen der Neuzeit. In dem Aufkommen der Naturwissenschaften zeigt sich, wie sich der Mensch völlig neu der Welt zuwendet, sie messbar und beherrschbar macht. Aus dem engen Gesichtskreis des Mittelalters tritt er immer mehr hervor, wagt den Weg über die Ozeane und erringt so ein weltumspannendes Weltbild.
Die Schüler der 7. Klasse erarbeiten in kleinen Arbeitsgruppen möglichst selbständig ein Bild dieser Zeit, geleitet durch die Biografie eines Entdeckers oder Erfinders. Dieses Projekt begleitet die Schüler durch das ganze Jahr hindurch und wird in mehreren Arbeitsschritten immer mehr vervollkommnet. Die begleitenden Lehrer versuchen, die Arbeit so anzuleiten, dass die Arbeitswege immer selbständiger gegangen werden können, ohne dass eine Überforderung entsteht.

8. Klasse

Die Betreuer treten noch mehr in den Hintergrund als in der 7. Klasse.
Der Projektunterricht bereitet die Schüler auf das Theaterprojekt vor. Was wird für ein Theaterstück gebraucht? Wie gestalten wir die Kulissen und anderen notwendigen Utensilien, welche zu einem Theaterstück gehören? Jeder Schüler begibt sich in eine Gruppe, die bis zur Aufführung immer mehr die Verantwortung für ihren Bereich übernimmt.

Auch das Waldpflegepraktikum gibt Gelegenheit, das in der Arbeit gewonnene Individuelle auf einer neuen Stufe in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen und sich nun auch im Ensemble neu kennen und wertschätzen zu lernen.

9. Klasse

Diese Klassenstufe bildet den Übergang von der Mittel- in die Oberstufe. Was in den zurückliegenden Jahren in der Mittelstufe an Selbständigkeit und Selbstorganisation exemplarisch geübt und gelernt wurde, muss sich jetzt immer mehr in jedem Unterricht bewähren.
In der 9. Klasse fertigen alle Schülerinnen und Schüler eine nunmehr ganz individuelle Quartalsarbeit an. Jetzt liegt auch die Wahl des Themas weitgehend in ihrer Freiheit.
Die Betreuer greifen möglichst nur ein, wenn sie gefragt werden oder wenn offensichtlich Beratungsbedarf besteht. Hier erleben die Schüler sehr deutlich ihr eigenes Planungs-, Gestaltungs-, und Arbeitsvermögen. Und auch ihre Grenzen, zu deren Ausweitung sie freilich immer aufgefordert sind.

Ein besonderer Schwerpunkt dieser Klassenstufe ist der handwerklich- künstlerische Unterricht.
Das Handwerk erfordert wie kaum ein anderes Fach Genauigkeit in Planung und Ausführung. Nicht primär der Lehrer, sondern das Werkstück leitet hier an. Wir vollziehen weitgehend den Schritt von der Lehrer- zur Sachautorität. Unser Denken und Tun muss sich an den Gegebenheiten des zu bearbeitenden Gegenstandes orientieren. Es wird schlicht versachlicht. So werden wir geschickt im Umgang mit den Dingen, erlangen ein gutes Stück Selbstsicherheit und bleiben doch frei.
In der künstlerischen Arbeit geht es vor allem darum, den Dingen eine Gestalt so zu geben, dass sie Ausdruck (m)einer Idee werden können, sprechend werden. Das erfordert mindestens ebensolches handwerkliches Können, führt aber über den bloßen Gegenstand oft weit hinaus.
In diesem Jahr beginnt auch die Reihe der Oberstufen – Praktika mit dem Landbau-Praktikum. Hier werden die Schülerinnen und Schüler eine Betriebsstruktur und Arbeitsweise kennen lernen, die ohne Frage zu den Bedeutendsten gehört, da sie vorbildlich steht für den verantwortlichen Umgang mit unserer Erde. Wir haben daher für dieses Praktikum nur landwirtschaftliche Betriebe gewählt, die sich dieser Verantwortung verpflichtet fühlen und nachhaltig wirtschaften.

B. Waltjen



















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