Bewegtes Klassenzimmer 


Das „ Bewegte Klassenzimmer“ an der Johannesschule:
Ein Bericht aus der Sicht und den Erfahrungen in der zweiten Klasse.

An unserer Schule arbeiten wir in den ersten beiden Klassenstufen mit dem so genannten „Bewegten Klassenzimmer“, angelehnt an das in der Waldorfschule Bochum entwickelte Unterrichtsmodell.
Schon das Mobiliar eines „bewegten“ Klassenzimmers ist anders konzipiert.
Tische und Stühle gibt es nicht, sondern je zwei Kinder teilen sich eine universell einsetzbare Holzbank. Die Anordnung der Bänke ändert sich während des Hauptunterrichts mehrmals:
Morgens meistern die Kinder oft schon einen Balancier- Parcours, der in verschiedenen Höhen und Schwierigkeitsgraden aus den Bänken aufgebaut wird. Baumeister sind die Schüler selbst. Der Lehrer gibt jedoch Anregungen oder Hilfestellung. Geichgewichts-und Tastsinn werden geschult, die Muskeln aufgewärmt. Probleme wie Raumaufteilung und Statik müssen auch gelöst werden und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Plötzlich entsteht z. B. eine Brücke über einem Fluss, in dem gefährliche Fische und Seeungeheuer schwimmen. Oder die Bänke werden so hoch gestapelt, dass man sich, oben stehend, wie ein Seiltänzer im Zirkus fühlt.

Die SchülerInnen bauen die Bänke im Kreis auf, um sich Erlebnisse des Vortags zu erzählen. Diese Anordnung benötigen wir auch für Kreisspiele und Reigen und sie bildet ein Gegenelement zur frontalen Ausrichtung der Bänke. Letztere wird zunehmend erforderlich, je mehr im Unterricht mithilfe der Tafel gearbeitet wird. Auch rhythmisch, rezitativ oder instrumental wird in dieser Form gearbeitet.
Im Arbeitsteil sitzen die SchülerInnen auf stabilen, großen Sitzkissen an den zu Tischen umfunktionierten Bänken. (Die Sitzkissen haben eine Dinkelspelz- Füllung.) Dem Bewegungsdrang der Kinder wird dadurch entgegengekommen, dass sie unter Umständen (ohne Stuhlkippelei etc.) ihre Sitzposition verändern können. Beim anschließenden Frühstück, bauen die Kinder Vierertische auf oder manchmal z.B. an Geburtstagen, eine festliche Tafel. Nach dem Frühstück geht es hinaus in den Pausenhof.
Große Hurras gibt es, wenn wir im Klassenzimmer bauen. So ist das Spielturnen nicht nur auf die eine Unterrichtsstunde in der Turnhalle oder die Pausen begrenzt, sondern findet auch im Klassenzimmer statt.
Auf einem Regal haben wir viele Tücher und dann entstehen Räuber- oder Zwergenhöhlen, Schiffe und U-Boote, „Burgen mit Rutsche“ und vieles mehr.
Und wieder gibt es so viel zu lernen. Wer bekommt wie viele Bänke, Kissen und Tücher? Ist auch alles gerecht verteilt?
Wie baue ich mehrere Zimmer oder Stockwerke so, dass alles stabil bleibt?
Wer passt alles in die Höhle und wer bewacht sie? Ach natürlich.... wer räumt all das wieder auf...
Die Kinder betätigen auf spielerische Weise ihre Sinne und lernen im sozialen Miteinander.
Bewegtes Klassenzimmer bedeutet aber auch, dass der Tagesablauf beweglicher wird. Oft ist zu beobachten, vor allem in der ersten Klasse, dass die Fähigkeit der Kinder, sich zu konzentrieren nicht 45 Minuten andauert, wie es das Raster des Stundenplans erfordern würde.
Da der Klassenlehrer seine Klasse bis zum Ende des Vormittags begleitet, auch in den Fachstunden, kann er den Tagesablauf in intensiver Zusammenarbeit mit den Fachlehrern individueller gestalten.
Den Abschluss des Tages bildet der Erzählteil, welcher den jeweiligen Erzählstoff des Schuljahres beinhaltet, auch Rückblicke auf den Tag sind möglich.

Rückblickend habe ich die Arbeit mit dem Beweglichen Klassenzimmer als sehr facettenreich erlebt und als lohnenswertes und ausbaufähiges Unterrichtsmodell, um den Kinder unserer heutigen Zeit gerecht zu werden.




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